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Geschichte

 
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Ein Wolfsmärchen ... (Teil 1)

Dunkelträumer, 29. Dezember 2003
Die Geschichte vom Wolf, seiner Liebelei und der Erde in der alles sich erlöste

Man nannte ihn den Wolf und kein andere Name wollte sich seiner Fährte je anschließen.
Es mochte daran liegen, dass er einer war, doch an einem Orte, an dem nie Wölfe erblickt wurden. Außerdem war „der Wolf“, ein feststehender Begriff in einem unbenannten Lande.
Lassen wir diesem Land seine Namenlosigkeit für diese kleine Geschichte, denn Namen sind nicht immer von Bedeutung...

Aus dem Wolf wurde ein Begriff, da alleine die Statur dieses Tiers alle gewöhnlichen Grenzen zu ignorieren schien. In den Dörfern des Landes waren viele Geschichten über seine Größe bekannt. Ein Müller berichtete von einem Wolf, groß wie ein Streitross, welcher ihm sein ältestes Töchterchen gerissen haben soll, andere Geschichten sprachen ihn noch größer, doch es sei gesagt, dass ein prachtvolles Ross ihm an Größe angemessen war. Sein Hunger jedoch übertraf noch seine Größe, es litten immer wieder große Herden unter seinen Fängen.
Und so rankten sich viele dunkle Geschichten um den Wolf des Landes ohne Namen, stets läutete „der Wolf“ tiefe Schnitte und Verluste im Leben ganzer Dörfer ein. Doch war es auch so, dass zwischen dem Tier und dem Namenlosen Land eine tiefe Bindung bestand.
Doch diese Tatsache war nur den Kindern und den Greisen im Namenlosen Lande bewusst und so konnte der Wolf wüten wie ihm beliebte.
Allerdings war Wüten das falsche Wort, denn nur die allerwenigsten mutigen Seelen die ihn blickten, trauten sich Angesicht zu Angesicht ihm in die Augen zu blicken. Denn die Augen dieses Wolfs, waren schrecklich auf den ersten, scheuen und unvorsichtigen Blick. In jenem ersten Moment schienen sie alt und dunkelrot, aber dennoch brannte in ihnen eine wilde Wut, die mit einem düsteren Leuchten einherging. Und gab es auch noch nie einen Recken, der das Herz dieser Bestie hätte durchbohren können.
Diese Augen verfolgten somit jenes Namenlose Land, denn niemand wagte genau genug zu blicken, sondern versuchte nur ungestüm das Biest zu erschlagen. Denn jenes flammende Augenlicht gehörte auch einst einem vergessenen Helden des Landes. Doch war dieser Held nie einer gewesen und musste sein Leben lang nur davon träumen, einer zu sein. Doch genau die Geschichte dieses Helden, dem in einem kleinen, vergessenen Waldstück ein altes Monument stand, barg die Antwort auf die geißelnde Wut in den Augen des Wolfs.
So kam es nach vielen Jahren, in denen der schwarze Wolf ein ewiges Übel zu sein schien, dazu, dass der Wolf sich an einer großen Stadt einfand, die ihm plötzlich in seinem Heimatland neu war. Mächtige, steinerne Mauern grüßten seinem lauten Knurren und er fand keinen Weg in jene Stadt. Mit mächtigen Sprüngen versuchte er die Höhen der Mauer zu überwinden, doch hatten die Bewohner des Landes ihren Feind einzuschätzen gelernt und so war sie selbst für ihn zu hoch. So folgten einige Tage wilden Sturms auf die Mauern der großen Stadt, doch sie war mächtig genug ihn abzuwehren und so zog er sich am morgen des dritten Tags zurück in die Wälder.
Die Menschen waren nun entzückt, als sie erblickten wie der Wolf in die Wälder zurückfloh und befahlen um jedes Dorf, egal wie groß oder klein eine Mauer, hoch wie diese zu errichten. Es vergingen weitere Jahre, in denen jeder Bürger das Elend zu spüren bekam, da der Bau dieser Mauern viel Arbeit bedeutete. Doch war jenes Elend nicht zu groß für jedes Herz im Lande, denn es war zu erkennen, dass so ihrer großen Angst endlich ein Ende gesetzt wäre. Denn nach wie vor wütete der schwarze Wolf alle Monate durch das Land und geißelte die Gemeinden, die noch ungeschützt lagen. Und so kam es nach dieser Zeit, dass in einem Bautrupp für die Mauer sich ein Knabe einfand, mit Augen, deren rot dem des schwarzen Wolfes nicht unähnlich war. Sein Haupthaar war von dunklem Braun, doch die Haut seltsam bleich und blass und die Augen seit er das Licht der Welt erblickte, von feurigem Rot.
Von hier ab, lasst uns die Zeit langsamer sehen, denn hier endet die Geschichte des Wolfs und es beginnt sein Teil der Liebelei.

Denn der schwarze Wolf war stets rast- und ruhelos auf der Streife durch das Land und so erblickte er eines Tages auch den Bautraupp, auf einem einsamen Waldweg, tief im schattigen Laubwald. Es war Frühling, die Herzen der gut fünfzig Männer waren froh, dass der letzte harte Winter nun sein Ende fand und vergaßen mit den Mauern auch langsam den Schrecken des Wolfes, lebte doch ein Großteil von ihnen schon länger hinter dem sicheren Wall. Doch der Knabe mit den feurigen Augen war anderer Meinung, doch zählte seine Meinung nicht. Denn er war ein Dämonenkind, davon zeugten seine Augen und er weilte unter den Männern, damit sein Blut auf dem neuen Wall den Wolf anlocken würde. Es ging das Gerücht, dass die Mutter des Knaben das Kind aus einer Verbindung mit dunklen Mächten gebar, denn es wusste keiner der Weisen des Namenlosen Landes von einem Kind, welches rote Augen besaß. Und da rot auch die Augen des gefürchteten Wolfs waren, war das Leben dieses 12-jährigen Knaben ohne Namen verwirkt. Jedoch erlitt er kein Leid während der Reise, denn jeder schien Angst vor ihm zu haben, viel zu ernst und kühl war dieses Kind schon ihnen gegenüber geworden. Vor allem bewies er immer wieder, dass er nicht mit Dummheit, sondern mit einem klaren Verstand gesegnet war und dies war auch der Grund, warum der Knabe des Nachts am Baum gebunden schlafen musste.
Und so zog der Trupp durch den Wald und es wurde Abend. Eine als sicher bekannte Raststelle in jenem Wald lag nicht weit und so wurde gefeiert des Abends, während der Knabe mit den roten Augen starr und sehnsüchtig in die Nacht starrte.
Man sah ihm an, dass es ihn nicht kümmerte, in einigen Tagen zu vergehen, seine Augen hatten genug Leid erblickt um ihn frühzeitig in Gedanken zu stürzen, die jeden anderen erst viele, viele Jahre später erwarteten. Und so sah er in jenem Sterben für diese Mauer wenigstens einen Zweck für sein Leben und erklärte sich mit dem unwissenden Eifer der Jugend bereit zu dieser Tat. Genug schmerzte es alles ohnehin, um bereitwillig Abschied zu nehmen für ihn, denn nie hatte irgendwer etwas mehr als Missfallen für ihn übrig gehabt. Seine eigenen Eltern hatten ihn gefürchtet und in eine kleine Zelle gesperrt, das Sprechen lernte er nun erst langsam. Als die Zeit der Mauern begann, hatten seine Eltern diesen Weg für ihn auserkoren, denn länger schon machten in seinem Heimatdorf böse Gerüchte die Runde. So war es für Vater und Mutter, die noch drei weitere Kinder hatten, ein willkommener Weg zum Frieden, ihren verfluchten Sproß zum Aufbau der Mauer zu schicken. Sein Todesurteil jedoch ging erst von den Männern aus, die ihn an den Baum gebunden hatten. Der Junge wusste nicht, was er von ihnen denken sollte, doch war er nach all der Einsamkeit bereitwillig bereit, von diesen wahren Dämonen um ihn Abschied zu nehmen. Niemand wusste, dass der Junge beschützt wurde, seit seiner Geburt, denn niemand hätte auch allzu viel für seinen Schutzpatron übrig gehabt.

(Der zweite Teil ist noch in Arbeit, doch würde mich eine Meinung bis zu jenem Teil freuen ;) Träumer)