Gedichte2000.de - Die Gedichte-Homepage

Geschichte

 
Zurück Zur Übersicht Weiter

Die Seele, die Einsamkeit und ich

Araya, 17. Januar 2004
Es war an einem schönen Tag, als das Morgengrauen die Nacht verdrängt, doch der Nebel noch nach Stunden über dem Land liegt. Und als sie aufwachte und aus dem Fenster blickte um zu sehen ob die Sonne sich den Weg schon durch den Nebel bahnte, sah ich erschrocken, dass es eigentlich noch schrecklicheres Wetter war als sie am Anfang vermutete - aber davon lass ich mir die Stimmung nicht vermiesen.... aber welche Stimmung eigentlich?
Bin ich nicht gestern noch mit schwerem Herzen ins Bett gegangen; dachte sie sich und zog die Gardienen etwas zusammen um nicht mehr dieses schreckliche Wetter zu sehen, was aussah, als würde in jedem Augenblick der Regen aus den Wolken brechen - aber das ist echt nichts für meine Stimmung; sagte sie sich und schlich nach unten in die Küche um nach etwas essbaren zu suchen.
"Guten Morgen..." sprach eine freundliche Stimme zu ihr... doch sie schwieg nur... "Was hast du denn?" Sie schaute nur etwas genervt und murmelte: "Jetzt nicht..." Sie nahm sich etwas zum essen und schlich wieder nach oben, machte die Tür hinter sich zu und hoffte, dass sie niemand mehr öffnen würde. Sie ließ sich aufs Bett fallen und starrte das Fenster an. "Obwohl die Gardinen fast geschlossen sind, sieht man immer noch dieses triste Wetter... wie schrecklich!" Sie seufzte.
"Warum scheint nie die Sonne, wenn ich traurig bin?"
Ihr Blick verließ das Fenster und sie schaute durch ihr Zimmer, an einem Bild an der Wand blieb sie plötzlich hängen, sie schaute schief, als würde sie diese freundlich dreinblickende Frau, die eine Freundin von ihr gezeichnet hatte, anlächeln und sagen: "Kopf hoch..." Sie schüttelte den Kopf; "Jetzt geht schon meine Fantasie mit mir durch..." Sie schaut zu Boden. Das Telefon klingelte. "Nein, das kann ich jetzt nicht gebrauchen, will niemanden hören und sehen!" Sie nahm den Hörer ab und ließ ihn zu Boden fallen. "Ich bin heute einfach mal nicht da" Sie setzt sich auf ihr Bett. Sie dachte nach - und was mach ich jetzt? Den ganzen Tag hier sitzen? Soll ich das Radio anschalten?- "Nein, das drückt mich nur noch mehr zu Boden. Ich glaube Ruhe bekommt mir heute besser." - So vergeht die Zeit doch nie... Sie stand auf: "Ich mach mir jetzt nen Tee!" Wild entschlossen stand sie auf, ging in die Küche, machte sich eine Tee und schlich wieder in ihr Zimmer. Sie schaute auf die Uhr- "Hm, fünf Minuten sind vergangen..." Sie setzte sich ans Fenster und schob die Gardienen wieder zur Seite. "Mal sehen was da draußen passiert." Doch so recht konnte sie noch immer nichts sehen, der Nebel war noch zu dicht um mehr als nur den kleinen Bach vor ihrem Fenster zu sehen. Sie stützte ihren Kopf auf ihre Arme und schloss die Augen. Sie wollte nur etwas in Gedanken verweilen und etwas vor sich hinträumen, als sie plötzlich eine Stimme hörte und erschrack. Sie schaute sich um, doch niemand war da. "Spinn ich jetzt schon?" Sie drehte sich wieder um, doch dann hörte sie die Stimme wieder:

Das Schweigen spricht: >>Mit der Morgendämmerung habe ich mich erhoben, in der glühenden Dürre falle ich nicht. Ich bin die Stille die die Seele zur Ruhe bringt, die die Gedanken neu erstärken lässt. Bin die, die dich sanft einbettet und dir das Glück näher bringt. Ich lasse die bösen Worte sterben, damit sie keine Gefühle vernichten kann. Ich bring dir deine Träume näher, wenn du dich verloren fühlst, dass du dich wiederfindest und dich niemand in deiner Ruhe stören kann. Ich halte meine Flügel über dich, wenn der Lärm des Alltags droht dich zu erdrücken.<<

"Was willst du von mir? Träum ich?" Doch sie bekam keine Antwort.

Die Sehnsucht spricht: >>Ich bin die Sucht die dich gefangen nimmt, wenn das sehnen dir das Herz zerbricht, die dich aber glücklich macht, wenn du deine Sucht stillen kannst, nach dem du dich schon so lange sehnst.<<
Die Liebe spricht: >>Ich bin die, die dir Geborgenheit bringt, wenn deine Sehnsucht unstillbar scheint, werde ich an deiner Seite gehen und dein Glück von neuem bestärken. Ich kann dir die schönsten Stunden bereiten, kann dir Flügel wachsen lassen und dir die allerschönsten Gefühle bereiten. Ich kann dich wirklich glücklich machen.<<
Die Trauer spricht: >>Ich werde dir Gesellschaft leisten, wenn du dich am Boden befindest, dich der Schmerz auffrisst, du ganz alleine bist. Ich werde dich begleiten, wenn dein Herz zerbricht oder deine Träume sterben, ich werde dich fühlen lassen, dass du nicht ganz alleine bist. Ich werde dich im Kampf gegen die Einsamkeit und die Sehnsucht an der Seite stehen, werd dich nicht am Boden liegen lassen, sondern dir die Hände reichen und dir wieder auf die Beine helfen.<<
Die Vernunft spricht: >>Ich hole dich ins Leben zurück, wenn du drohst davon zu fliegen. Ich werde mit dir kämpfen, wenn dich die Liebe und die Sehnsucht in ihre Fänge nehmen, werde deine Augen öffnen, wenn du schlaftrunken durch dein Leben gehst. Werd immer auf deine Gefühle acht geben, damit sie dich nicht belügen, wenn das Glück dich an die Hand nimmt. Ich werde deine Ängste bestärken, wenn du den Sinn und deine Ziele aus den Augen verlierst.<<
Die Seele antwortet: >>Ihr gehört alle zu mir, seit alle in meiner und wollt mich belügen, obwohl ihr euch nicht vor mir verstecken könnt. Ihr redet so positiv, wollt, dass ich jedem vom euch vertraue, doch kennt ihr euch denn selbst, oder belügt ihr euch? Wer seit ihr denn wirklich? Ihr habt nicht nur gutes und Glück in euch, warum lügt ihr jedes Herz an?? Wer ist denn das Schweigen? Ruhe ist immer etwas gutes? Lässt nicht erst die Ruhe die ganzen unangenehmen Dinge erwachen, da du erst dann zum nachdenken kommst? Und die Sehnsucht? Ist sie es nicht, die die Freundin der Einsamkeit ist. Nur wenn du die Einsamkeit bekämpft hast, dann wird auch die Sehnsucht verschwinden. Sie kann dich um deine Wärme bringen, damit die Kälte dein Herz einnimmt, die Wärme, nach der du dich eigentlich schon so lange schreist. So kann die Liebe sie bestärken und dann wird dich die Sehnsucht nie mehr verlassen. Die Liebe, ist sie denn die einzigst wahre? Sie verschlingt dich, doch im gleichen Augenblick kann sie dich auch zu Boden werfen, dir dein Herz und die Gefühle rauben. Und wer ist sie dann? Sie lässt die Schmerzen immer weiter wachsen, sie kann dich dazu bringen die Qual zu lieben, dich in einen Bann ziehen, aus dem du kein Entkommen mehr siehst. Einsam und verlassen wirst du dann sein... Die Trauer wird dich Tränen regnen lassen, wird dich erst dazu bringen, deinem Schmerz und deiner Verzweiflung in die Augen zu sehen.<<

Sie drehte sich wieder um. "Hallo? Was ist das?Warum sprecht ihr so negativ? Das Schweigen, die Liebe, die Trauer, die Vernunft und die Seele? Ihr unterhaltet euch?" Etwas verwirrt schaute sie sich im Raum um.

Die Einsamkeit spricht: >>Du wirst hier niemanden finden, doch keine Angst, hier will dich niemand erschrecken. Sie wollen sich nur bemerkbar machen, wir sind auch noch da, wir sind immer da. Komm, ich nehm dich an die Hand.<<

"Aber ich weiß doch, dass es sie gibt!"
>>Ja schon..<<
" Aber was spricht sie immer von Lügen??"
>>Die Seele? Es ist deine Seele, sie drückt deine Gedanken aus, erkennst du sie nicht? Sie will nicht, dass dich die anderen zu etwas drängen und dich zu sehr gefangen nehmen. Sie macht sich Sorgen um dich<<
"Und du? Du kannst mich nicht gefangen nehmen?"
>>Bist du nicht momentan einsam?<<
"Ja schon..."
>>Dann hab keine Angst, hör ihnen einfach zu, ich werd dich gehen lassen, wenn du nicht mehr mit mir zusammen sein willst, doch ich bin immer da, auch wenn ich nur die Einsamkeit bin. Liebst du die Einsamkeit?<<
"Ja schon, ich fühl mich besser, will jetzt keine Menschen um mich."
>>Siehst du, also vertrau mir und gib mir deine Hand - red mit ihnen, sie hören die schon die ganze Zeit zu...<<
"Aber was reden die anderen denn? Wenn mich das Schweigen trifft, dann wirst du dich nicht immer schrecklich fühlen, nur weil du alleine bist. Auch Einsamkeit kann dir ein guter Begleiter sein. So wie du jetzt auch bei mir bist!"

Die Seele antwortet: Ich sage nicht, dass sie nur negatives in sich tragen, doch wer von ihnen ist nur auf gutes aus?

Sie schreckt auf: "Soll das heißen, man soll den Gefühlen nichts mehr glauben... ist das Vertrauen nicht auch zu seinen Gefühlen sehr wichtig? Willst du sagen, das man nur noch dir glauben soll, doch warum soll man dir trauen, wenn du deine Gefühle verloren hast?? Ohne deine Gefühle bist du doch selbst unmächtig, also sprich nicht so von denen, die dich am Leben erhalten... wie oft steckt Glück in ihnen??" "Wenn ich keine Gefühle habe, dann hast du auch keine mehr, wenn ich sterbe, dann wirst du auch nicht mehr sein, sag, willst du das??"

Die Liebe spricht: >>Warum sagst du, dass wir so viel Schuld tragen sollen, schließlich sind wir, wenn es Schmerzen gibt nicht allein dafür verantwortlich... und beinhaltest du nicht auch genauso das Gefühl des Schmerzes, wie all die anderen Gefühle der Sehnsucht... der Einsamkeit, auch wenn sie immer mit dem unendlich stechenden Schmerz in Verbindung gebracht werden, sie tragen genauso auch eine gute Seite in sich... und schützen auch dich vor manchen Sachen, die du, wenn sie nicht da wären aus Naivität machen würdest und dich selbst verletzen würdest...<<
Das Vertrauen spricht: >>Wie wäre das Leben denn, wenn die Liebe und all die anderen Gefühle nicht wären, wäre es nicht trist und leer, verhängnisvoll und schwer? All die Gefühle machen das Leben doch erst zu dem, was es ist, sie machen es doch erst wertvoll. <<
Die Seele antwortet: >>Doch wenn die Gefühle verletzend sind, dann verletzen sie auch mich.... <<
Die Liebe entgegnet: >>Du bist also nur auf dein eigenes Wohl aus??<<
Die Seele spricht: >>Nein, das siehst du falsch, wenn sie mich verletzen, dann fangen auch die anderen Gefühle an zu bluten, weil sie alle in meiner beinhaltet sind. Wollt ihr das denn, wollt auch ihr leiden? Sicherlich nicht und genau deshalb, bringt es nichts, wenn die Gefühle uns alle so belügen.<<
Die Liebe antwortet: >>Irgendwann wird es wieder aufhören zu bluten. <<

"Aber heißt es nicht, dass die Seele nicht verbluten kann? Sie lebt vom Sonnenlicht, aber sie kann nie vergehen. Oder irr ich mich? Klär mich auf, du bist meine!!" Ängstlich schaut sie durch den Raum. >>Ja du hast recht, aber ich will nicht, dass sie dich verletzen, ich weiß doch am besten wie du dich im Moment fühlst und alle wollen sie dich zu sich ziehen, versuchen dich zu locken mit all ihren guten Eigenschaften, ich mach mir doch auch nur Sorgen...<<

Die Vernunft spricht: >>Ist es nicht ein beruhigendes Gefühl,dass es endlich mal festgestellt wurde, dass die Seele etwas unsterbliches ist, was nichts und niemand schädigen kann? Und denk trotzdem immer daran: In der Seele sind all die Gefühle beinhaltet, die wir haben und wenn eines leidet, dann leidet auch unsere Seele, doch auch wenn sie zu tiefst verletzt ist und mehr als ein Gefühl verletzt worden ist, sie wird daran nicht sterben, sie wird alle negativen Gefühle überleben. Also ist die Seele etwas vergleichbares wie die Sonne, die das Leben ist und das Leben beinhaltet. Etwas unerschöpfbares, unvergleichliches. Die Seele hält dich am Leben. <<
Das Schweigen spricht: >>Die Seele trägt viele Narben. Manches wurde weggesteckt und verarbeitet, es ist vernarbt, wenn auch nur mit einer dünnen Haut, anderes blutet noch immer... doch auch irgendwann hört es auf zu bluten und alles wird wieder gut, neue Narben sind entstanden, die alten auf gerissenen sind wieder verheilt, es gibt keinen Grund der Sorge mehr, denn die Gefühle der Seele sind unsterblich.<<
Die Sehnsucht spricht: >>Die Seele strahlt ihr helles Licht nach außen, genau wie die Sonne ihr warmes Licht verstrahlt, auch ihr Licht ist nicht immer sichtbar, ist der Himmel grau und voller Wolken, dann kann man auch ihren hellen Glanz nicht sehen, fast wie ein Stern, doch Sterne können sterben, sie können vom Himmel fallen. Und so wie man das Licht der Sonne auch nicht immer sehen kann, so gibt es auch dunkle Tage der Seele, in der man ihr leuchten auch nicht sehen kann. Dann scheint das Leben auch dunkel und grau. Doch eigentlich stahlt die Seele ihr helles Licht immer aus, auch wenn sie nur ein wenig leuchtet, würde sie das nicht tun, dann wäre die Seele auch irgendwann an einem Punkt angelangt, an dem die Seele sterben würde und genau so leicht wie ein Stern von einem auf dem anderen Augenblick vom Himmel fallen würde und keinen Halt mehr hätte.
Die Ewigkeit spricht: >>Denn Liebe ist die Kraft, die auch ermöglicht, in jedem Moment den Fluss der Zeit zu verlassen, ihn einen Moment lang auszuschalten, die Zeit kann still stehen. Dann wird ein Moment zur Ewigkeit, die Ewigkeit fällt in einem Moment hinein und wird wirksam.
So ist die Liebe auch mit der Ewigkeit verbunden. Sie kann einen Augenblick zur Ewigkeit machen kann und ihn für die Zeit in deinen Gefühlen bewahren. Ein Augenblick wird dann plötzlich unsterblich. <<

"Liebe ist die Ewigkeit im Moment, oder lieg ich falsch?"
>>Ja genau, und so sollte die Seele auch unbesorgt sein, die wundervollen Momente werden ihr immer bleiben, die euch beiden in schlechten Zeiten wieder auftrieb geben werden. Sei nicht mehr traurig...<<
Sie ließ sich wieder auf ihr Bett fallen und nahm ihr Kissen unter ihre Arme, stützte ihren Kopf darauf ab und starrte an die Wand. "Was soll mir das ganze jetzt sagen..."
>>Sie wollten dich nur wieder aufheitern, wollten zeigen, dass sie da sind, auch wenn du sie oftmals vergisst, dass sie noch da sind.<<
"Und das sagt mir die Einsamkeit??" Sie seufzte. "Warum sprichst du nichts mehr?" Sie schaute auf.
Und nur noch leise hörte sie, ein paar Worte die aus der Ferne schon erklangen: >>Ich hab alles getan was ich sollte, denk an deine Seele, ich werd deine Hand nun los lassen, denk an all die anderen Gefühle und sei nicht mehr betrübt. Sehn dich nicht nach mir, ich werd schneller wieder da sein, als du es dir dann vielleicht wünschen wirst.<<
Sie schloss die Augen wieder und es lief eine Träne über ihr Gesicht. Sie verweilte eine Zeit lang in ihren Gedanken und träumte vor sich hin. Sie könnte es noch nicht fassen, was da grade mit ihr passiert ist. Sie schaute zum Fenster und sah, dass der Nebel etwas lichter wurde, sie konnte schon ein paar Baumspitzen vom Wald erkennen. Es bildete sich ein kleines lächeln auf ihren Lippen. "Aber es wird ja bald wieder dunkel." Sie zuckte mit den Schultern; "Vielleicht siehts morgen ja wieder besser aus..." und setzte sich ans Fenster. "Man sieht ja sogar schon die Sterne" und sie bemerkte wie sie sich auf einmal wieder besser fühlte. Als sie zum Mond schaute lächelte sie und dachte an die Einsamkeit. "Ob er auch Gefühle hat und die Einsamkeit mit ihm spricht?"

Kommentare

 
Es wurde noch kein Kommentar geschrieben
 
 
Impressum | Datenschutz | Regeln | © 1998 - 2012 by Markus Foitzik