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vampire world kapitel 2

Moony20, 02. Juni 2006
2Als ich meine Augen wieder öffnete war es immer noch dunkel. "Ah, du wirst wieder wach.", vernahm ich die erleichterte Stimme des Vampirs. Ich richtete mich langsam auf, mir war immer noch ein wenig schwindlig. Als ich mich umsah merkte ich, dass wir uns immer noch in der gleichen Straße befanden. Der Vampir saß ein paar Meter von mir entfernt auf einem Bordstein. "Ich dachte schon du würdest gar nicht mehr aufwachen. Ich hatte befürchtet, dass ich dir zu viel Blut abgezapft habe, aber wir haben wohl Glück gehabt. Du wirst dich die nächte Zeit noch etwas schwach fühlen, weil dein Körper erst mal eine Veränderung durchmacht, aber es sich wieder legen und du wirst kräftiger sein als vorher.", erklärte er mir mit seiner ruhigen Stimme. Dann kam er zu mir und half mir beim aufstehen. "Wir sollten uns auf den Weg machen, die Sonne wird bald aufgehen und das wäre nicht besonders angenehm." Meine Beine fühlten sich an wie Butter und zitterten, er musste mich beim laufen stützen. Wir gingen die Straßen zurück zu dem Ort, an dem der Vampir aus der Wand gestiegen war. Als wir ankamen sah ich die Wand jedoch nicht. Dort wo sich vorher die Wand war, war jetzt ein dunkler Gang mit Steinwänden, er ähnelte den Gängen eines Schlossgewölbes, das wir vor einiger Zeit mit der Schule besucht hatten. "Aber...", fing ich an, doch der Vampir hieß mir still zu sein. Der Gang war lang und ich hätte mich am liebsten einfach hingesetzt und geschlafen, doch der Vampir ließ mir keine Pause, bis wir bei einem großen Holztor ankamen. Langsam ließ ich mich an der Wand auf den Boden sinken, als er zu mir sagte:"Setz dich kurz und trink", er kramte kurz in einer Tasche seines Mantels. "das hier." Er reichte mir eine kleine Glasflasche mit einer dunklen Flüssigkeit, doch in der Dunkelheit konnte ich nicht erkenne was es war, aber ich hatte bereits eine Vermutung. "Blut", sagte der Mann, als er merkte wie mir die Flasche ansah. "Daran wirst du dich jetzt wohl gewöhnen müssen." Ich zog den Korken herraus, mit dem die Flasche verschlossen war und trank sie in einem Zug leer. "Gut und jetzt müssen wir weiter. Hinter dieser Tür ist unser Reich, dass Reich der Vampire.", klärte er mich auf, steckte die nun leere Glasflasche wieder ein und half mir beim aufstehen. Als er die Tür öffnete erschrak ich, schlug schützend meine Arme über den Kopf und wollte wieder in den Gang aus dem wir kamen zurückweichen, denn das erste was ich sah war das grelle Sonnenlicht. Mein erster Gedanke war, der Mistkerl hat mich reingelegt. "Keine Angst. Hier kann dir die Sonne nichts anhaben. In unserer Welt ist die Sonne nicht gefährlich, nur in deiner alten Welt solltest du dich in Acht nehmen, denn die macht dich in kürzester Zeit zu einem Haufen Asche den der Wind verteilt.", versuchte er mich zu beruhigen, als er meinen entsetzten Blick bemerkte. Ich senkte meine Arme langsam und hielt einen davon ins Sonnenlicht. Nichts geschah. "Komm jetzt, wir werden uns erst mal einen Platz zum ausruhen suchen, damit du wieder Kräfte sammeln kannst." Ich trat hinaus ins Sonnenlicht, es fühlte sich angenehm warm an. Als sich meine Augen nach dem dunklen Gang endlich wieder ans Licht gewöhnt hatten, konnte ich mich zum ersten Mal in dieser mir völlig fremden Welt umsehen. Vor uns lag einen große Wiese, die in einem saftigem Grün erstrahlte. Links und rechts neben uns ersteckte sich Wald. Wir standen auf einem Hügel, weit unten lag ein kleines Tal in dem sich eine kleine befand. "Das dort unten", der Vampir deutete mit seiner linken Hand auf das Dorf, mit der anderen Hand stützte er mich wieder. "das ist Kargan. Es ist nur ein kleines Dorf, doch wir werden uns dort später Vorräte kaufen können, denn wir haben noch einen weiten Weg vor uns, wenn wir deinen Freund finden wollen. Doch zuerst werden wir uns dort im Wald ausruhen." Er führte mich an den Waldrand, wo wir uns in den Schatten der Bäume setzten. Die Bäume waren höher als in meiner "alten Welt", doch ansonsten unterschieden sie sich nicht von ihnen. Es gab Fichten, Birken, halt das übliche. Es tat gut endlich wieder zu sitzen. Ich lehnte meinen Rücken gegen den Baum und streckte meine Beine aus. "Wie heißen sie eigentlich?", fragte ich müde. Mir fiel erst jetzt auf, dass ich seinen Namen noch gar nicht wusste. "Oh, stimmt, ich habe mich dir noch gar nicht richtig vorgestellt", er streckte mir seine Hand entgegen und als ich sie nahm fügte er hinzu, "Marlen van Dark. Aber nenn mich einfach nur Marlen. Und wie lautet dein Name?" "Terk, Terk Vorden.", er hatte einen kräftigen Händedruck und hielt mich mit seinen tiefblauen Augen (bei dem sich über das eine die Narbe zog) fest. Als ich mich von seinem Blick gelöst hatte fragte ich ihn:"Wie lange sind sie schon ein Vampir?" "Vielleicht schon zu lange, doch im vergleich mit dem Alter anderer Vampire nur ein Jüngling. Ich werde dich nachher über ein paar Dinge aufklären, die das Vampirdasein betreffen, doch jetzt solltest du erst mal etwas schlafen." Ohne ein Widerwort zu geben schloss ich meine Augen und es dauerte nicht lange und ich schlief tief und fest.

Ich öffnete langsam meine Augen, Marlen saß immer noch da und beobachtete wie die Wolken über den Himmel zogen. Er schien vor sich hin zu träumen, seine Augen glitzerten im Licht und auf seinen Mundwinkeln deutete sich ein zufriedenes Lächeln an, doch es verschwand sofort wieder als er merkte, dass ist aufgewacht war. "Woran haben sie gedacht?", fragte ich ihn vorsichtig. Er lächelte mich an, aber es war nicht das gleiche Lächeln, doch es war ein erliches Lächeln:"An dies und jenes, an schon längst vergangenes, aber das ist jetzt nicht wichtig. Die Vergangenheit ist vergangen und im Moment nicht von Wichtigkeit." Er verstummte kurz, sein zuvor so verträumter Blick wurde nun ernst:"Ich denke es ich an der Zeit dir einiges über das Vampirdasein zu erklären. Da du jetzt ein Vampir bist solltest du wissen, dass nur ein Teil von dem, was du vielleicht im Fernsehen gesehen hast wahr ist. Zum einen trinken wir Blut, auch Menschenblut, zur Not reicht aber das Blut von Tieren, doch wenn du die Wahl hast, dann verzichte lieber auf die Tiere. Es stimmt auch, dass uns Sonnenlicht tötet, allerdings nur das aus deiner alten Welt. In unserer Welt nicht, wie du ja gemerkt hast.", er schwieg kurz, doch dann fuhr er fort, "Dieser ganze Mist von wegen Weihwasser und Kruzifixe ist alles Unsinn. Wir können Kirchen betreten, genau so wie wir ungebeten in fremde Häuser eintreten können. Es stimmt auch nicht, dass wir unsterblich sind, wir können genau so gut durch den Schuss einer Waffe wie an einer Krankheit sterben. Für Menschen stimmt es auch, dass wir älter werden, doch es liegt daran, dass in unserer Welt die Zeit lansamer vergeht. Während hier gerade mal ein Tag vergeht, ist da draussen", er streckte die Hand aus und deutete auf die Holztür", schon ein ganzes Jahr vergangen." "Was ist wenn ein Vampir in der Welt der Menschen lebt?" "Er altert genau so wie sie und stirbt wie sie. Die meisten von uns gehen nur in der Nacht nach da draussen. Sie laben sich an den Menschen und kehren wieder zurück." Er sah mich nachdenklich an. "Hast du vorerst noch Fragen?" "Haben Vampire... irgendwelche besonderen Fähigkeiten?", fragte ich nach kurzem Zögern, da ich mir bei dieser Frage ziemlich albern vorkam. Doch Marlen sah mich weiterhin ernst an und sagte:"In gewisser Weise schon. Wir sind stärker, schneller, hören und riechen besser als Menschen. Einige von uns verfügen über telepartische Kräfte.", er blickte traurig auf den Boden, "Leider gibt es einige unter uns, die ihre Kräfte gegen die eigenen Leute einsetzen. Du musst wissen, dass zur Zeit ein Krieg unter den Vampiren heerscht. Es ist ein dummer Krieg, geführt von dummen Leuten. Doch es ist zu spät um es rückgängig zu machen." Ich sah mich in der Gegend um, alles war ruhig, nichts wies auf einen Krieg hin. "Wer führt diesen Krieg und warum?", fragte ich schlieslich. "Die Ältesten, so nennen wir unsere Anführer gegen Arrok und sein Gefolge, ein grausamer Kerl, er hasst die Menschen und will sie alle zu Sklaven machen. Doch die Ältesten sind gegen ihn und das zu Recht. Deshalb ist ein Krieg entfacht worden. Es ist ein grausamer Krieg, in dem von beiden Seiten schon zu viele gefallen sind." "Gibt es denn keine möglichkeit Arrok aufzuhalten und den Krieg zu beenden?" "Oh doch. Vor langer Zeit, lange bevor der Krieg anfing prophezeite einer der Ältesten, dass es einen König unter den Vampiren geben wird, doch niemand weiss wer es ist und wann er kommen wird. Wir wissen nur, dass er das Böse in unserer Welt besiegen wird und dann den Thron der Gerechtigkeit besteigen wird. Doch noch ist kein König gekommen und der Älteste von dem die Prophezeiung kam ist schon lange tot.", er verstummte wieder und aus seiner Haltung schloss ich, dass die Unterhaltung hiermit beendet war. Er stand auf und half mir auf die Beine und wir setzten unseren Weg fort.

Nach etwa drei, vielleicht auch vier Stunden hatten wir das Dorf erreicht. Mir kam es vor als hätte man mich zurück ins Mittelalter versetzt. Die Häuser waren alle aus Holz gebaut, als wir an den Häusern vorbei gingen sah ich Frauen die in großen Fäßern Wäsche wuschen, einige unterhielten sich miteinander, andere riefen ihren Kindern etwas hinterher, die zwischen den Häusern herumrannten. "Sind das alles Vampire", fragte ich leise meinen Begleiter. "Natürlich", gab er mir als Antwort. Mir fiel auf, dass es hier kaum Männer gab. "Wo sind denn die Männer?" "Im Krieg", antwortete der Vampir mit ernster Miene. Erst jetzt bemerkte ich mit ernster Miene wie ernst und besorgt die Frauen wirkten. Marlen führte mich in eines der Häuser. Die Tür stand offen. Als wir herrein- kamen stellte ich fest das es ein Laden war, überall hingen Kräuter von der Decke herrunter, an den Wänden standen Regale voll mit kleinen Fläschchen mit unterschiedlichem Inhalt und Farben. Hinter einer Holztheke stand ein kleiner Mann, dem das fettige Haar ins Gesicht fiel. "Seit mir gegrüßt, womit darf ich euch dienen?", fragte dieser, seine Stimme klang viel zu schleimig für meinen Geschmack."Wir brauchen Vorräte. Ich denke für etwa eine Woche, dass dürfte genügen.", erklärte ihm Marlen. Der kleine Mann bückte sich und kramte unter seiner Theke, als er wieder auftauchte stellte er eine Holzkiste vor sich auf den Tresen. "Nur das Beste vom Besten. Nehmt euch soviel ihr braucht werter van Dark." "Wie viel willst du dafür haben?", fragte nun wieder Marlen. "Für euch nur fünf Gold." Marlen öffnete die Holzkiste, nahm eine der Flaschen (sie sah so aus wie die, die er mir im Gang zu dieser Welt gegeben hatte) und trank daraus einen Schluck. "Komm her Junge", forderte er mich nun auf. "Halt deine Tasche auf." Ich tat was er sagte und er füllte sie mit den Flaschen. Einige steckte er jedoch in seinen Mantel, legte dem Händler fünf Goldmünzen auf den Tisch und wir verliessen den Laden wieder. "Du musst bei solchen Leuten tierisch aufpassen, sie hauen einen gerne übers Ohr. Dieses Blut ist weiss Gott keine fünf Gold wert, aber bis wir zum nächsten Dorf kommen ist es weit. Wir hätten es sowieso nicht billiger bekommen. Viele dieser Vampire verachten erschaffene Vampire wie uns", erklärte er mir als wir das Dorf wieder verließen."Was sind erschaffene Vampire, gibt es denn auch andere", fragte ich verblüfft. "Aber natürlich. Ich habe dich erschaffen, so wie ich einst erschaffen wurde, doch all die Kinder die du im Dorf gesehen hast, dass sind geborene Vampire. Für viele Leute in dieser Welt sind wir keine richtigen Vampire, obwohl wir die gleichen Fähigkeiten wie sie besitzen und ihnen in nichts nachstehen." "Wie groß ist diese Welt?", fragte ich neugierig. "Soweit das Auge blicken kann. Du kannst sie mit der Erde vergleichen, doch etwas kleiner, es gibt verschiedene Länder und Inseln, doch nur eine Sprache. Doch jedes Land und jede Insel hat ihren eigenen Akzent und Bräuche." "Gehen sie denn alle in die Menschenwelt? Und wie kommen sie alle dort hin", fragte ich nachdenklich. "Nicht alle, viele meiden die andere Welt. Aber sie enau so wie auch wir dort- hin. Es gibt überall solche Geheimen Gänge, doch jeder führt zu einem anderen Teil der Erde." Ich fand es unglaublich, dass eine solche Welt existierte. Ich hatte immer gedacht, dass wenn es wirklich Vampire gab, dann würden sie alle unter den Menschen leben. "Hat diese Welt hier auch einen eigenen Namen?" "Natürlich, diese Welt hier heißt Dieses Land hier heiss zum Beispiel Kerock. Wir befinden uns jetzt auf der Hauptinsel, doch es gehören noch ein paar kleinere Inseln dazu. Es gibt noch weitere fünf großr Inseln, Puril liegt nördlich von hier, alle anderen liegen westlich und nordwestlich, sie heißen Terkum, Sarkon, Ariuk und Lorett", erklärte mir der Vampir. "Und wohin genau müssen wir, um meinen Freund zu befreien?", wollte ich wissen. "Nun ja, du sagtest dass der Entführer einen Auffälligen Ring mit einem Fledermaus-Symbol trug.", erinnerte er sich, blieb stehen, hockte sich dann auf den Boden griff nach einem kleinen Zweig und zeichnete einen unförmigen Kreis in den Staub. "Wir sind jetzt hier auf Kerock.", wieder zeichnete er einen Kreis, diesen jedoch etwas kleiner und weiter links. "Ich kenne nur einen, der einen solchen Ring trägt und der lebt auf Lorett, das liegt nordwestlich von hier. Es wird bestimmt nicht einfach deinen Freund da raus zu holen." "Aber wer ist dieser Mann?" "Arrok!" "Aber das ist doch..." "Ja, es wird fast unmöglich sein an deinen Freund ran zu kommen. Ich weiss nicht, warum er ihn entführt hat, aber er wird seine Gründe dafür haben. Vielleicht lässt er ihn als Sklaven arbeiten, aber vielleicht dient er auch für etwas anderes." "Aber vielleicht schaffen wir es ihn einzuholen. Ich meine er kann doch noch nicht..." "Doch kann er", unterbrach mich der Vampir. "Er ist ein sehr mächtiger Vampir. Er kennt viele der Geheimgänge. Wir wissen nicht, ob er sich nicht zwischendurch da draussen aufhält. In unserer Welt gibt es keine Technologie, er könnte sich die der Menschen zu nutzen machen. Vielleicht ist er schon längst wieder auf Lorett. Ich kenne nicht alle Wege und vor allem keinen der nach Lorett führt." "Aber wie kommen wir dann dorthin?" "Wir werden bis nach Zerrack gehen, dass ist die nächste Hafenstadt. Von dort aus werden wir ein Boot nehmen. Ich werde versuchen dir auf unserem Weg dorthin so viel wie möglich über das Kämpfen und über Vampire beizubringen. Ich habe dich zu einem von uns gemacht und mich damit dazu verpflichtet dein Lehrer und Meister zu sein und ich werde versuchen meine Pflicht so gut es geht zu erfüllen.", in seiner Stimme klang Stolz mit und er sah mich wieder mit seinen tiefblauen Augen an. In diesen Augen erkannte ich eine gewisse Vertrautheit, wusste jedoch nicht warum. Wie ich so vieles nicht wusste. Ich wusste ja nicht einmal, warum mir dieser Vampir überhaupt helfen wollte. Doch das kümmerte mich nicht, ich wollte nur so schnell wie möglich Sert finden. Mein Meister erhob sich wieder und wir gingen weiter.
Als es langsam dunkel wurde schlugen wir ein Lager auf. Wir sammelten trockenes Holz und machten damit ein Lagerfeuer. Jeder von uns trank eine Flasche Blut. Wir unterhielten uns noch ein wenig über diese Welt bevor wir uns schlafen legten. So erfuhr ich, dass es hier Schafzüchter, Bauern, sowie Adel und Diebe gab, genau wie in meiner "alten Welt", nur mit dem Unterschied, dass man sich in dieser Welt mit Blut ernährte. Es gab auch Piraten, die die Meere unsicher machte. Doch es gab auch den Rat der Ältesten, die Entscheidungen trafen, solange es keinen König gab. Dieser Rat bestand aus den weisesten, mächtigsten und ältesten unter den Vampiren. Mein Lehrer und Meister versprach mir, mir in den nächsten Tagen das Kämpfen beizubringen. Er hatte gesagt, wie müssen auf alles vorbereitet sein, falls es zum Kampf kommen sollte, so müsse ich mich auch wehren können, schließlich herschte Krieg in dieser Gegend.

Wir waren mittlerweile schon sechs Tage unterwegs. Abends hatte mir Marlen immer Unterricht im Kämpfen gegeben, meistens kämpften wir mit den Händen oder mit Stöcken. Er hatte zu mir gesagt, ich würde gut und schnell lernen. Als wir an diesem Abend zusammen am Feuer saßen nahm ich all meinen Mut zusammen und fragte:"Meister Marlen, ich hoffe es ist nicht unhöflich, doch ich würde gerne wissen, woher eure Narbe stammt." Ich erwartete schon, dass ich keine Antwort bekommen würde, da er einfach nur da saß und ins Feuer starrte, doch nach einiger Zeit fasste er mit der Hand an sein Auge, berührte beinahe zärtlich die Narbe und sagt:"Das ist ein Andenken an Arrok. Ich stand ihm bereits einmal gegenüber im Kampf, doch ich versagte und kam mit dieser Narbe davon. Ich bin einer der wenigen, die einen Kampf mit ihm überlebt haben. Doch zu welchem Preis!" Letzteres sagte er mehr zu sich selbst als zu mir. "Wie meint ihr das, >zu welchem Preis Am nächsten Morgen weckte mich Marlen:"Komm wach auf. Wir müssen los, dann könnten wir es bis zum Nachmittag bis Zerrack schaffen. Wir brauchen langsam neue Vorräte und du könntest neue Kleidung vertragen", er beäugte meine schmutzige Jeans und das Hemd. "Ausserdem müssen wir uns noch ein Boot besorgen. Vielleicht finden wir auch ein paar Waffen." Ich stand auf, klopfte mir Staub von meiner Kleidung, nahm meinen Rucksack und wir zogen weiter Richtung Westen, nach Zerrack.
Schon von weitem konnten wir die vielen Häuser und die Schiffe im Hafen sehen. Diese Stadt war mindestens sechs Mal so groß wie das Dorf Kargan. Die Straßen waren voller Vampire. Händler hatten an Ständen ihre Waren ausgebreitet. An einem der Stände kaufte Marlen mir zwei Paar Hemden aus Leinen, zwei Paar Hosen und ein Paar Schuhe mit fester Sohle zum Wandern. An einem anderen Stand kaufte er zwei Schwerter mit den dazugehörigen Scheiden. Eins der Schwerter reichte er mir, seins band er sich um die Hüfte und ich tat es ihm gleich. Nach einigem Suchen fanden wir einen Gemischtwarenladen, in dem wir uns mit neuen Vorräten eindeckten. Es war ungewohnt für mich mit einem Schwert herrum zu laufen, doch nach einiger Zeit gewöhnte ich mich daran. Jetzt mussten wir nur noch ein seetüchtiges Boot finden. Wir gingen hinunter in den Hafen und liessen die Händler hinter uns. Hier gab es die verschiedensten Schiffe, zum größten Teil von Händlern. Als wir zu einem etwa etwa sechs Meter lagem Boot kamen sagte mein Begleiter zu mir: "Warte hier mal kurz.", und verschwand in der Menge. Ich betrachtete mir in der Zeit ein wenig die Häuser, sie unterschieden sich nicht von denen in Kargan, nur das es hier wesentlich mehr davon gab. Matrosen gingen voll beladen umher, einige brachten die Waren zu den Händlern, andere wurden bereits von ihren Familien erwartet. Die Schiffe lagen ruhig im Hafen, wurden ab und zu von kleinen Wellen angeschubst und schaukelten seicht im Wasser. Mir wurde klar, dass ich vorher noch nie in einem Boot oder Schiff gesessen hatte, geschweige denn damit gafahren war. "Los steig ein", sagte eine vertraute Stimme hinter mir. Als ich mich umdrehte, sah ich meinen Meister auf mich zu kommen. Ohne Fragen zu stellen stieg ich unbeholfen in das Boot ein, beinahe wäre ich ins Wasser gefallen, als das Boot anfing zu schwanken, doch Marlen, der geschickt ins Boot gesprungen war, hielt mich noch rechzeitig fest. "Bist wohl noch nicht auf so nem Ding gewesen", sagte er lachend. "Nein", gab ich etwas niedergeschlagen zurück. "Na macht nichts, ich werd dir schon beibringen, wie das geht, wirst das ganz schnell raushaben.", dann band er das Tau los, mit dem das Boot fest gemacht war, sezte das Segel und wir verließen den sicheren Hafen und fuhren hinaus auf das offene Meer. Ich zog mir sofort die neue Kleidung an, die Marlen für mich gekauft hatte, sie kratzte ein wenig, war ansonsten jedoch sehr bequem.
Nach ein paar Stunden auf dem Boot, dass vom Wasser hin und her geschaukelt wurde, wurde ich Seekrank und musste mich übergeben. Mein Gefährte schien sich darüber gut zu amüsieren, ich hingegen war richtig sauer auf ihn. Ihm schien es ja richtig Spaß zu machen, wenn es mir schlecht ging. Doch als er merkte, wie schlecht es mir ging drückte er mir etwas in die Hand. Es sah aus wie Algen, oder etwas in der Art und sagte:"Kau das, aber schluck es besser nicht runter. Danach wird es dir bald besser gehen." "Aber was...", wollte ich fragen doch er sagte direkt:"Nicht fragen, kauen und danach ausspucken" Das Zeug schmeckte ziemlich bitter, doch ich tat was er sagte, ohne weitere Fragen zu stellen. Den restlichen Tag lehnte ich am Mast des Bootes (solange ich mich nicht übergeben musste) und hoffte, dass sich mein Magen endlich wieder beruhigen würde.
Am zweiten Tag ging es mir wesentlich besser, ob es an dem Zeug von Marlen lag oder ob ich mich an die Fahrt auf dem Meer gewöhnt hatte wusste ich nicht, aber es war mir auch egal. Endlich konnte ich unsere Fahrt geniessen. Ich stellte mich ins Heck des Schiffes und liess meinen Blick über das klare, endlose Meer schweifen. Es war einer der schönsten Anblicke meines Lebens. Zum ersten Mal fühlte ich mich richtig frei. Ich vergass alles um mich herrum, sogar meine Familie und Sert (wegen dem ich ja überhaupt hier war) und hoffte die Fahrt würde niemals enden. "Wie ich sehe geht's dir ja wieder besser", ertönte die freundliche, doch auch strenge Stimme meines Meisters vom Bug des Bootes. Ich wandte mich zu ihm um. Er stand dort blickte auf das weite Meer hinaus, in seinen Augen spiegelte sich der Glanz des Wassers und steuerte uns Richtung Nordwesten. "Komm her, ich werde dir beibringen, wie man so ein Boot steuert."
Ich liess meine Gedanken an die unendliche Weite des Meeres und die nie endende Fahrt hinter mir und ging zu Marlen, der mir erklärte, was ich tun musste um das Boot zu steuern und auf Kurs zu halten, dann legte er sich schlafen, da er die ganze Nacht über und den Tag zuvor das Boot gesteuert hatte. Nachts erklärte er mir die verschiedenen Sternbilder, die sich über uns erstreckten. Es gab Bilder wie zum Beispiel die Fledermaus (man brauchte allerdings sehr viel Fantasie um sich eine Fledermaus vorzustellen), den Wolf, das Auge, ein einzelner Stern im Norden, er schien der hellste zu sein. Nachdem er mir einige der Bilder erklärt hatte legte ich mich schlafen, um am Morgen wieder zu steuern.
Am nächste Tag war die See stürmisch und Marlen blieb auf, um das Boot zu steuern. Der Wind liess die Wellen immer wieder gegen das Boot peitschen, ich musste das Segel einholen, damit es der Wind nicht zerreissen konnte. Ich musste mit einem alten Eimer immer wieder Wasser aus dem Boot schöpfen, dass die großen Wellen hinterließen, wenn sie brachen. Es dauerte nicht lange und meine Arme waren taub vor Kälte und schmerzten vom dauerhaften Wasser schöpfen. Als ich mir eine kurze Pause erlauben konnte, warf ich einen kurzen Blick auf meinen Gefährten. Das Wasser schlug ihm ins Gesicht, man merkte ihm seine Müdigkeit an, doch er schien zu lachen, ich konnte ihn nicht hören, doch es sah beinahe aus, als würde er einen alten Freund begrüßen. Schon im nächsten Moment erfasste mich eine riesige Welle. Meine Knochen schmerzten, Kälte stieg in mir auf, ich konnte nicht mehr atmen. Bei dem versuch ein wenig Luft in meine Lungen zu bekommen, füllten sie sich jedoch nur mit eisigem Wasser. Überall um mich herum war Wasser. Ich war über Bord gegangen. Ich versuchte nach meinem Meister zu rufen, doch die Wellen schleuderten mich hin und her, zogen mich in die Tiefe, liessen mich nur an die Wasseroberfläche, um mich wieder in die einsame, stille Tiefe zurück zu ziehen. Ich versuchte wieder an die Oberfläche zu gelangen, doch etwas hartes knallte gegen meinen Kopf. Ich zwang mich, nicht das Bewusstsein zu verlieren und versuchte erneut aufzutauchen. Ich musste mich beeilen, sonst würde ich ertrinken. Mein ganzer Körper schmerzte und jede Bewegung verschlimmerte es nur, doch ich gab nicht auf. Luft, endlich Luft. Ich hatte es geschafft wieder an die Oberfläche zu kommen und sog gierig die kühle Luft ein. Ich hielt ausschau nach dem Boot und meinem Meister, doch ich wurde wieder von einer Welle erfasst, die mich wieder in die Tiefe zog. Ich kämpfte mich ein weiteres Mal nach oben, erhaschte ein wenig Luft und wurde wieder untergetaucht. Es hatte keinen Sinn, war ich schon Meilen weit vom lebensrettenden Boot abgetrieben. Ich war zu schwach um meine Arme und Beine zu bewegen, alles um mich herrum verblasste, alles wurde still, verdrängt von Dunkelheit und ich verlor mein Bewusstsein.

Meine Lungen füllten sich mit Sauerstoff, ich musste husten und das Wasser aus meinen Lungen herraus zu bekommen. Langsam öffnete ich meine Augen und erblickte ein verschwommenes Gesicht, dass sich über mich gebeugt hatte. "Du hast ganz schön Glück gehabt, du wärst fast ertrunken", erklärte die Gestalt über mir und fügte dann hinzu, "Du solltest dich lieber ein wenig ausruhen. Du hast dir eine ziemlich üble Beule am Kopf geholt, vielleicht hast du eine Gehirnerschütterung." Ich schloss die Augen wieder und schlief. Ich träumte davon, von den Wellen hin und her geworfen zu werden.

Ich erwachte von meinem unruhigen Schlaf. Es war inzwischen Nacht und die Sterne funkelten über mir. Ich richtete mich etwas auf, mein Kopf schmerzte, und meine Arme konnten mein Gewicht kaum halten. Ich versuchte mich ein wenig umzusehen und bemerkte, dass ich mich wieder auf einem Boot befand. Plötzlich ertönte eine Stimme hinter mir:"Wie geht's dir?" Ich drehte mich langsam um und erkannte eine Gestalt, die das Boot steuerte. "Ich hab deine Sachen zum trocknen aufgehangen", bemerkte die Person im Bug. Erst jetzt merkte ich, dass ich völlig nackt war und nur mit einer alten Decke zugedeckt war. "Ich...", stöhnte ich, wurde jedoch sofort wieder unterbrochen:"Du musst dich jetzt nur ausruhen, sonst nichts. Du hast Fieber und eine Gehirnerschütterung. Ich werde mich solange auch alleine ums steuern kümmern können." Endlich erkannte ich die Stimme und die Gestalt, es war mein Meister Marlen van Dark. "Aber wie...",setzte ich an, doch Marlen sagte nur:"Später ist noch genug Zeit für Fragen. Jetzt ruh dich aus!" Ich legte wieder hin, schloss die Augen und lauschte der Stille der Nacht.
Diesmal wurde ich nicht von Alpträumen heimgesucht. Die Sonne hatte mich ein wenig aufgewärmt, doch ich fühlte mich immer noch schwach. Marlen kam auf mich zu, als er gemerkt hatte, dass ich wieder aufgewacht war und reichte mir eine der Blutflaschen. Gierig trank ich sie aus, ohne etwas zu sagen. "Dein Fieber ist wieder runter gegangen. Ich hoffe du konntest dich ein wenig ausruhen." Ich nickte, hörte jedoch sofort auf, da mein Kopf wieder schmerzte. "Du hast dir deine Kopf irgendwo angeschlagen. Es ist sowieso ein Wunder, dass du überhaupt noch lebst. Ich habe dich erst gefunden, als der Sturm schon längst vorbei war, du hast regungslos im Wasser getrieben und ich du schon, du wärst tot", sagte Marlen und blickte mich mit traurigen Augen an. "Ich hätte besser auf dich aufpassen müssen", fuhr er mit belegter Stimme fort. "Was hätten sie schon tun können. Ich war doch selbst Schuld, ich habe nicht aufgepasst", gab ich zu. "Nein, du konntest nichts dafür, schlieslich hast du keine Erfahrung mit dem Meer und seinen Stürmen", konterte er. Ich gab es auf ihm zu widersprechen und hörte ihm einfach zu. "Ich hab deinen leblosen Körper ins Boot gezogen und merkte, dass du doch am leben warst. Ich hab dich aus deinen nassen Sachen rausgeholt und in eine Decke eingewickelt, von da an konnte ich nur noch warten. Es gibt nichts schlimmeres als warten zu müssen", er senkte seinen Blick, er wirkte plötzlich viel älter, die Narbe an seinem Auge war blasser als sonst, er schien schon lange nicht mehr geschlafen zu haben. "Du hast ziemlich lange einfach nur hier gelegen", erzählte er weiter, "Der Sturm ist jetzt schon zwei Tage her. In der ersten Nacht nach dem Sturm bist du kurz aufgewacht und hast dann einen ganzen Tag und eine ganze Nacht geschlafen. Das Fieber war ziemlich hoch. Aber ich denke, dass es bald weg ist." "Sie müssen ziemlich müde sein. Haben sie denn seit dem Sturm überhaupt geschlafen", fragte ich ihn. Er schien zu überlegen, doch dann sagte er:"Mir macht es nichts aus, wenn ich längere Zeit nicht schlafe. Du musst dich erst mal richtig erholen, dann kann ich mich immer noch ausruhen." Mir wurde bewusst, dass dieser Mann mit der Zeit mehr war, als nur mein Begleiter, er war eher wie ein Vater für mich. Er hatte mir mein Leben gerettet. Er hatte mir erzählt, wie seine Familie umgebracht wurde, vielleicht sah er mich nun als eine Art Ersatz für sie, so wie er eine Art Ersatz für meine Familie war. Marlen ging wieder an seinem alten Platz um das Boot zu steuern. Ich legte mich wieder zurück und genoss die Strahlen der Sonne auf meiner Haut, die mich wärmten. Der Tag verging und ich fühlte mich wieder besser. Am abend überredete ich Marlen mich das Boot wieder steuern zu lassen, damit er sich wieder ausruhen konnte. Nach einigem Widerspruch gab er auf und legte sich schlafen.
Das Meer war ruhig und die Sonne hielt mich warm, meine Kleidung war inzwischen wieder trocken und ich hatte mir zumindest wieder eine Hose angezogen, ich hatte einige Schnitte auf der Brust und am Rücken. Ich vermutete, dass ich sie mir zugezogen hatte, als ich von den Wellen ungetaucht wurde und an einen Felsen oder etwas in der Art gestossen wurde. Doch die Schnitte waren nicht besonsers tief, es würden höstens kleine Narben zurückbleiben.
Als die Nacht herreinbrach löste mich Marlen von meinem Posten ab. Er wirkte immer noch ziemlich erschöpft, ich hatte bemerkt, dass er sehr unruhig geschlafen hatte, doch ich sprach ihn nicht darauf an. "Du siehst müde aus, leg dich lieber hin. Du musst ausgeruht sein, wenn wir auf Lorett ankommen", sagte er, als er das Steuer übernahm. "Wie lange werden wir noch brauchen", fragte ich. "Mit ein bisschen Glück noch einen Tag, höchstens zwei." Ich ging zu meinem Schlafplatz und legte mich hin, doch ich konnte noch nicht schlafen. Mir gingen zu viele Sachen durch den Kopf, ich dachte an den zweiten Tag unserer Reise auf dem Meer, ich hatte mich so frei gefühlt, doch plötzlich nahm die Freiheit ein Ende, wir näherten uns dem Ende unserer Reise. Was würde aus mir werden, wenn wir alles hinter uns hatten? Würde ich überhaupt leben von Lorett zurückkehren? In meiner "alten Welt" waren bereits mehrere Jahre vergangen, meine Elter hielten mich vielleicht schon für tot. Sie hatten die Hoffnung, dass ich zurückkehren würde bestimmt schon aufgegeben. Ich konnte nicht mehr zu ihnen zurück, wie sollte ich ihnen schlieslich erklären, dass ich gerade mal ein paar Wochen gealtert war. Nein, ich konnte auf keinen Fall zu ihnen zurück. Doch was sollte ich dann machen. Würde ich vielleicht weiterhin mit meinem Meister durch die Welt reisen? Ich hatte auf diese Fragen keine Antworten und fiel in einen unruhigen Schlaf, geplagt von Alpträumen und Fragen ohne Antworten.

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