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Geschichte

 
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Das brennende Papierschiff

Uhu, 04. Juni 2006
Sonnenuntergang....

.....der Friedhof schimmert schwarz und rot. Eine Frau steht einsam und verlassen mit Tränen im Gesicht an einem Grab. Sie hält einen kleinen Teddy in der linken Hand, den sie feste drückt, in der rechten Hand hält sie einen Brief, den sie immer wieder traurig anstarrt.

Grabinschrift: Julia P.
geboren 1980 gestorben 2003

Ruhe in Frieden murmelt die Frau, Tanja, leise vor sich hin. Sie fängt an zu weinen, wischt sich nach einiger Zeit die Tränen von den Wangen und schaut wie verzaubert seit Minuten in die brennende Kerze. Hockt sich mit gläsrigen Augen vor das Grab, legt Fanti (den Teddy, den Julia 2002 von Tanja zu Weihnachten bekommen hatte) vorsichtig auf den Boden und fängt an den Brief zum hundertsten mal zu lesen.

„Liebe Tanja,
ich weiß nicht ob du meine Entscheidung freiwillig aus dem Leben zu treten je verstehen oder verarbeiten kannst aber ich kann so nicht weitermachen. Ich weiss du verstehst das vielleicht nicht aber ich hoff du nimmst es mir nicht böse. Es is zu viel passiert........“

Nach den ersten Worten fängt Tanja an zu weinen packt nach Fanti und drückt ihn fest an sich.

„Ich weiss ich tu dir weh, ich verletzte dich und ich lass dich wohl auch im Stich obwohl wir uns geschworen haben das ganze gemeinsam durchzustehen. Das Loch was ich wohlmöglich hinterlasse wird vielleicht nie jemand füllen können und ich kann dir nur sagen das ich dich liebe. Ich dich immer lieben werde. Du morgens der erste Gedanke warst und abends der letzte warst. Und du auch der letzte Gedanke bist wenn ich die Augen für immer schliesse. Ich lass dir Fanti damit du immer was zum knuddeln hast wenn ich nicht mehr da bin. Ich liebe dich!!!! Vergiss das bitte nie!
deine Julia“


Die letzten Worte die Julia schrieb lassen Tanja zusammen sacken und weinen. Immer mehr. Sie wischt die Tränen nicht mehr weg, lässt sie einfach die Wangen hinunter tropfen. Auf Fanti.

Tanja sitzt nun schon seit Stunden am Grab von Julia, es schlägt bald 12 und sie hat nicht vor so schnell Julias Grab alleine zu lassen. Die Kerze brennt in den letzten zügen. Tanja greift nach ihrer Tasche holt schon die nächste Kerze raus. Sie schaut auf den Grabstein und sieht das Foto von Julia, was ihre Eltern dort angebracht haben, sie beugt sich liebevoll zu dem Bild und drückt einen zaghaften Kuss auf das Foto.

Minuten später....

.......die neue Kerze brennt bereits, fängt Tanja an leise zu murmeln.....warum gehst du wenn du mich liebst?.....warum musst du mich alleine lassen???..... du und ich wollten das zusammen durchstehen!!!......Ich brauch dich doch Julia!!! Ich komm ohne dich doch nicht klar....du warst alles für mich und nun bist du weg!!!! Hast mich im Stich gelassen unser Versprechen gebrochen!!!!.......Ich bin alleine!!!.........Für immer........alleine......ohne dich......Julia ich lieb dich doch!!!!!!!!!!!!!

Tanja steht auf geht ein paar Schritte und setzt sich an den Baum unter dem Julias Grab liegt. Sie lehnt sich gegen die Buche und fängt an sich Vorwürfe zu machen. Warum sie Julia nicht abhalten konnte, warum Julia nicht zu ihr kam und warum sie die ganzen Tabletten in der gemeinsamen Wohnung nicht gefunden hat.

Sie packt in ihre Tasche holt eine Klinge raus und setzt sie an und zieht sie den Arm entlang. Tanja weint. Sie zieht die Klinge noch einige male über den Arm bis sie die Klinge endlich beiseite legt. Sie starrt ins Leere. Sie starrt auf das Grab, auf Fanti, auf den Brief und auf das Bild am Grabstein. Tanja schläft mit blutendem Arm, gegen den Baum gelehnt, ein.

Am nächsten Morgen stehen Julias Eltern mit Blumen am Grab ihrer Tochter und entdecken Tanja. Sie packen sie und ihre Sachen und rasen zum nächsten Krankenhaus. Dort bekommt Tanja den Arm verbunden und bekommt Beruhigungsmittel. Julias Eltern fahren mit Tanja nach hause. Dort setzten sie sich alle gemeinsam ins Wohnzimmer. Der Vater auf den Hocker, die Mutter auf das kleine Sofa und Tanja setzt sich auf das große. Der Vater steht, nach einigen misslungenen Versuchen mit Tanja Blickkontakt aufzubauen, auf und geht für einige Minuten in ein andres Zimmer. Julias Mutter setzt sich zu Tanja und nimmt sie in den Arm. Sie schweigen, schauen sich kurz an und drücken sich erneut bis der Vater wieder das Zimmer betritt. Setzt sich auf den Sofarand und hält Tanja ein Bild von Julia hin. Er fängt an zu reden. Das erste mal seit Julia vor 3 Wochen beerdigt wurde.

„Wir haben den Fehler gemacht und waren zu blind. Wir haben viel von deinem und Julias leben nicht mitbekommen. Julia haben wir schon verloren und wir werden den Verlust nie richtig verarbeiten aber wir können noch für dich da sein. Wir können versuchen für die Freundin unserer Tochter noch da zu sein. Ihr halt zu geben in der Hoffnung das sie ihn annimmt und uns vertraut und nicht so aufgibt wie es unsere Tochter getan hat. Tanja wir lieben dich wie unser eigen Fleisch und Blut bitte verlass du uns nicht auch noch !!!!!“

Tanja starrt den Vater an, dann das Bild von Julia, dann schweift der Blick zu Julias Mutter anschließend wieder zu Julias Vater. Sie steht auf und nimmt ihn in den Arm, wischt ihm die Tränen von den Wangen und gibt ihm einen kleinen kurzen Kuss auf die Wange. Dann geht sie zu Julias Mutter drückt diese auch und gibt ihr auch den kurzen kleinen Kuss auf die Wange.

Tanja lächelt beide wortlos an und packt nach ihrer Tasche und Fanti. Sie schaut kurz zurück und läuft Richtung Tür. Schaut verwirrt und sagt:

„Danke. Danke dafür das ihr da seit. Ich brauch Zeit für mich! Ich muss verarbeiten das ich den einzigsten Menschen den ich je geliebt habe verloren hab. Wenn ich soweit bin den Schmerz zu teilen komm ich zu euch!“

Sie läuft, sie läuft stundenlang durch die Gegend. Zu verschiedenen Orten die sie mit Julia immer besucht hat. An denen viele schöne Erinnerungen haften. Sie läuft ans Ufer der Mosel und setzt sich. Tanja packt in ihre Tasche und holt etwas heraus. Sie beugt sich etwas nach vorne. Setzt ein kleinen Papierschiff ins Wasser, legt eine Rose und einen Brief in das Schiff. Dann packt sie nach dem Feuerzeug und zündet das Schiff an. Schubst es etwas weiter in die Mosel und sieht zu wie es auf dem Wasser fährt und langsam verbrennt.

Tanja murmelt......“Julia hörst du der Brief ist für dich.....der letzte Liebesbrief den ich dir geschrieben hab aber nie gegeben hab. Ich bereu es das ich ihn dir nie gegeben habe. Ich hoffe du kannst ihn lesen und weißt was ich für dich gefühlt habe und immer fühlen werde. Ich werd dich immer vermiss.....immer lieben.......und nie vergessen!!!! Du bist mein Engel!!!!“

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