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Foto von TearOfDarkAngel

Der Schreckenstag (da sist eine hausaufgabe über einen vok.test)

TearOfDarkAngel, 21. September 2006
Es ist ein Tag wie jeder andere. Der Himmel ist grau, es nieselt. Mir ist kalt. Dazu kommt das Gefühl, ich habe etwas vergessen. Aber es bleibt mir hinter einer schwarzen Wand verborgen. Nach der langen Busfahrt im stockenden Verkehr, laufen sämtliche Schüler des Busses, wie eine Ameisenkolonie auf Honig, zu ihren Klassenräumen. Erste Stunde: Mathe! Na prima, denke ich, da kapiert man doch eh wieder nichts.
„Endlich!“ Nachdem es laut geklingelt hat, wechseln die Schüler hektisch die Räume oder warten auf den Lehrer. Uns wird noch Mathe erklärt. „Könnt ihr auch alle die neuen Vokabeln?“ Die Stimme schreit durchs Klassenzimmer. Ich erschrecke. Von einem Mal wird mir ganz anders. Ich habe einen Schweißausbruch. Dieser Test entscheidet über die Versetzung. Hektisch schaue ich auf die Uhr. Noch zwei Minuten. Panisch krame ich nach dem Buch. Alle anderen sitzen schon über den aufgeschlagenen Seiten mit den Vokabeln und gehen alles noch mal schnell durch. „Happiness ist Glück, Zufriedenheit und Fröhlich...“ völlig vertieft, ohne die Umgebung wahrzunehmen schaffe ich es alles einmal durchzulesen. Beim zweiten Durchgang klingelt die Glocke. Ich habe das Gefühl als würde sie höhnisch Lachen, anstatt zu klingeln. Völlig aufgedreht packe ich das Buch weg, als ich die Lehrerin hörte. Sie teilt ohne ein Wort den Vokabeltest aus. Ich lese mir alles genau durch – und habe Glück! Die meisten Vokabeln weiß ich und nur drei von zwanzig fallen mir nicht ein. Ich fülle den Test, soweit es geht aus, die anderen Versuche ich abzuleiten oder zu raten. Als ich den Test etwas widerwillig abgegeben habe, merke ich dass ich einige der Vokabeln total vertauscht hatte. Das führt dazu, dass ich dem restlichen Unterricht nicht mehr folgen kann. Ich bin panisch, habe fast ein schlechtes Gewissen.
Das Klingeln der sechsten Stunde bemerke ich kaum. Wie im Trauma packe ich ein. Doch ich verpasse knapp den Bus. „Na toll!“ murmle ich vor mich hin, während ich zu der anderen Bushaltestelle schleiche.
Ich versinke in meinen schlimmsten Alpträumen zum Thema Schule, während ich im Bus sitze. Ich denke darüber nach, wie es wohl wird wenn ich die Klasse wiederholen muss. Daheim angekommen, muss ich mir erstmal einen Tadel anhören, wegen dem Zu spät kommen. Und jetzt auch noch sagen müssen, das wir den alles entscheidenden Vokabeltest geschrieben haben. Schlimmer kann es nicht werden. Leise Beichte ich es meinem Vater: „Also, wir haben heute den Vokabeltest geschrieben.“ „Und wie schwer war der?“ fragte mein Vater, wie bei jedem Test. „Der Test lief ganz gut, hab ein gutes Gefühl.“ Ich lüge.
Ich verziehe mich in mein Zimmer, höre das Auto meines Vaters noch wegfahren. Unentschlossen greife ich zu dem Telefon, welches auf dem Tisch liegt. Langsam wähle ich die Nummer meiner Freundin und warte. Als sie sich endlich meldete, erzähle ich ihr die ganze blöde Geschichte. Von der Pause nach der Mathestunde bis zu dem Telefongespräch mit ihr. Sie versucht mich zu trösten. Und auf ihre Weise schafft sie das komischerweise auch fast immer. Als ich auflege, fühle ich mich erleichtert, wie als hätte man mir unsichtbare Fesseln abgenommen.
Die nächste Englischstunde wird in der letzten Stunde sein. Irgendwie schaffe ich es, in den anderen Stunden aufzupassen. Aufgeregt bin ich aber trotzdem.
Kurz vor der letzten Stunde werde ich wieder ganz panisch. Mir wird schwarz vor Augen. Mein Herz rast, meine Hände zittern, mir läuft es kalt den Rücken herunter. Testrückgabe!
Ich warte aufgeregt darauf, dass ich meinen Test bekomme, möchte ihn aber am liebsten nicht angucken. Das Blatt flattert auf meinen Platz. Untendrunter steht in roter Schrift: eine Drei plus!
Mir fällt ein Stein vom Herzen und freue mich wahnsinnig! Ich werde versetzt!
An diesem Tag berichte ich ohne Lügen von dem Test. Meine Eltern freuen sich und selbst die Sonne scheint vor Freude zu lachen. Und ich nahm mir vor, nie wieder einen Test nicht aufzuschreiben oder geschweige denn zu vergessen.

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