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Spurlos Verschwunden

Yuna@16, 31. Januar 2007
Spurlos Verschwunden

Es war ein heißer Nachmittag. Keine einzige Wolke war am Himmel zu erkennen und die Sonne schien den ganzen Tag lang. Ein leichter Wind begann sich zu regen der allmählich stärker wurde.
Ein alter Mann schaute aus dem Fenster. Er schob wie immer seine schwarzen Vorhänge weg. Jeden Tag war er dort zu sehen. Er schaute immer aus dem Fenster. Seit sechs Jahren steht er immer da und beobachtet die Kinder beim spielen. Nur einige kennen sein Vorgeschichte und wissen dass seine Frau damals umgekommen ist. Wie und wo das weiß keiner, nicht einmal ihr Ehemann selbst. Man weiß nur dass sie plötzlich nicht mehr da war, einfach verschwunden. Es war an einem warmen Sommertag am 26. Juli. 1992 Seitdem steht er jeden Tag an der gleichen Stelle. Wenn die Sonne aufgeht, kommt er, zieht sein schwarzen Vorhänge und bleibt dort bis es Abend wird. Er bewegt sich kaum und starrt nur nach draußen. Die Kinder haben sich an ihm gewöhnt, doch wenn sie an seinem Haus vorbeigehen und den Mann in sein Gesicht sehen bekommen sie Angst. Er sieht aus als wäre er aus Stein, aus alten Stein das jeden Moment zerfallen könnte. Sein Gesicht sieht verzerrt aus. Sein Schnurrbart verdecken seinen Mund. Man kann nicht erkennen ob er lächelt, böse oder traurig ist. Auch seine Augen sagen nichts über seine Gefühle aus. Sie sind ganz dunkel und starr. Sie blicken nur gerade aus. Niemand hat je gesehen dass er auch nur einmal geblinzelt hat. Es erscheint so als ist er schon tot. Er hat keine Gedanken, kein Herz, keine Seele. Er fühlt nichts. Trauer, Freude und Schmerz kennt er nicht. Er ist nur da, eine leere Hülle die alles beobachtet was auf der Welt passiert und ewig zugucken muss was die anderen machen. Wenn sie lachen, spielen und sich streiten. Und niemand weiß wie lange er noch da steht. Oder er wartet auf etwas, auf jemanden, auf seine Frau. Vielleicht glaubt er sie würde zurückkommen. Irgendwann hofft er, würde sie die Straße entlang kommen und an der Tür klopfen. Aber vielleicht wartet er ja auch auf seinen Tod. Sein Leben ist zu ende, nichts mehr wert, er ist bereit es aufzugebenund wartet nur darauf zu sterben. Aber solange steht er von Tag zu Tag da und schaut aus dem Fenster und immer wenn die Sonne untergeht dann zieht er seine schwarzen Vorhänge wieder zu, bis zum nächsten Tag. Bis es eines Tages vorbei ist und die Vorhänge geschlossen bleiben. Schon Morgen? Oder erst nächstes Jahr. Vielleicht dauert es noch ewig, niemand weiß es genau.
Die Leute haben sich daran gewöhnt. Sie gehen ganz normal ohne nachzudenken an seinem Haus vorbei. Das Haus ist sehr alt. Es gleicht einem Haus vor hundert Jahren, brüchig wie sein Besitzer. Einige Fenster sind kaputt und auf dem Dach fehlen Latten. An der Tür fehlt der Griff. Das Grundstück ist von wilden Gewächsen überwuchert. Das Gras ist bis zu den Fenstern gewachsen. Im Garten liegen noch immer verdorbene Blumen und Pflanzen, umgeben von Unkraut das so hoch wie das Gras und noch höher ist. An der Hauswand verbreiteten sich Kletterpflanzen die bis zu den Dach reichten. Das Haus war umgeben von Stille, schreckliche Stille die versuchte sich auszubreiten. Über die ganze Welt. Sie schaffte es aber nicht. Sie reichte nicht einmal bis zum nächsten Haus. Sie blieb bei den alten versteinerten Mann.
In der Nachbarschaft, in den anderen Häusern und auf der Straße aber war es lebendig. Die Leute verbrachten ihren Tag wie alle anderen auch. Neben dem alten Haus spielten die Kinder Fußball. Die Mutter kam gerade vom Einkauf wieder, ihre Hände voll mit Einkaufstaschen. Sie schimpfte mit den Jungs weil der Ball wieder mal im Garten landete. Gegenüber vom Haus stand ein Bauernhof und davor war eine Wiese auf der Kühe weideten. Auch ein kleines Kalb war dabei, das Milch von seiner Mutter trank. Der Hund der vor der Stalltür lag und sich ausruhte, hatte die Nachbarskatze entdeckt und rannte ihr jetzt bellend hinterher. Auf der Straße malte ein kleines Mädchen mit Kreide große Kunstwerke. An ihr kam gerade eine kleine Mutter vorbei, die ein kleines Baby im Kinderwagen spazieren fuhr. Um ihr herum tobten noch vier weitere Kinder die sich die ganze Zeit stritten. Die Mutter hatte viel Mühe sie auseinander zu halten. Und da war noch die neugierige alte Frau, sie ging mehrmals am Tag die Straße entlang. Sie verteilte freiwillig die Werbeprospekte an die Nachbarn. In ihrem Haus hat sie ein großes Fenster damit sie immer alles mitkriegt was in der Nachbarschaft passierte. Die Straße war lebendig. All diese Leute verbrachten ihren Tag wie jeden anderen.
Auch Matt und Sarah. Sie lebten im großen Haus mit dem schwarzen Dach genau gegenüber des alten Mannes. Sie waren noch Kinder. Capherine und Anthony passten auf sie auf, solange ihre Eltern weg waren. Sie waren oft weg. Sie hüteten ein das niemand wissen durfte. Sie führten kein normales Leben wie die anderen, sie taten nur so. Sie hatten andere Verpflichtungen als Einkaufen oder Arbeiten gehen. Sie hatten es viel schwerer und Matt und Sarah würden eines Tages das gleiche tun.Noch wussten sie nichts davon. Sie waren noch zu jung um alles verstehen zu können. Matt war sieben und Sarah war fünf Jahre alt. Sie spielten gerade draußen im Sandkasten.
Der Wind wurde stärker und stärker. Die Bäume fingen an sich zu bewegen. Es sah aus als wollten sie einfach weg. Weg mit dem Wind. Irgend woanders hin. Der Wind wehte sanft um das Haus der Parkers doch langsam wurde er immer kräftiger. Die schwarzgrauen Wolken die vor ein paar Minuten noch gar nicht da waren überdeckten den blauen Himmel und die strahlende Sonne. Aus dem schön warmen Sommertag wurde eine kalte Winternacht. Um das Haus der Parkers wurde es unheimlich dunkel. Dunkel am hellichten Tag in der Mittagszeit.
Matt und Sarah waren immer noch draußen und spielten weiter als wäre nichts passiert. So als wären sie ein Teil von dem ganzen. So wie die Bäume, angezogen, hypnotisiert, als wollten sie mitgehen, dazugehören. Wo auch immer der Wind sie tragen würde, ihnen würde es gefallen. Sie lachten fröhlich und rannten um das Grundstück.
Die Tiere aber spürten etwas. Die Vogel am Himmel flatterten wild umher und ließen schreckliche Töne von sich. Die Pferde und Kühe auf den Nachbarsfeldern rannten wild und ängstlich umher. Sie griffen sich gegenseitig an oder versuchten durch den Zaun kommen . Die Hühner gackerten ganz laut und versuchten sich ihre Federn auszurupfen. Die kleine Fische im Teich sprangen einfach ans Ufer und erstickten qualvoll.
Doch man hörte nur die Tiere und den Wind. Die Bäume und die beiden Kinder die beide lachend auf dem Rasen tobten. Kein einziger Mensch war sonst noch zu sehen. Auch die Kinder von nebenan sind längst reingegangen. Auf der Straße fuhr kein Auto mehr und die neugierige Frau steht nicht mehr da wo sie gerade noch vor ein paar Minuten stand. Die Frau mit ihren fünf streitenden Kindern, der Hund und die Katze und das Mädchen dass mit Kreide malte. Diese Leute, die vor einen kurzen Augenblick noch da waren, sind alle verschwunden. Einfach weg, als wären sie niemals hier gewesen. Als hätte noch nie ein Mensch diesen Ort je betreten.
Fortsetzung folgt...

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