Geschichte![]()
So grässlich bitterkalt. Aber er spürte die Kälte nicht, denn in ihm war es immer kalt. Eine gnadenlose innere Kälte, gegen die selbst das ewige Eis wärme auszustrahlen schien. Aber es war nicht immer kalt in ihm gewesen. Nein, nicht immer. Es lag gar nicht so lang zurück, die Zeit, als ihm warm war, als er sich geliebt und glücklich fühlte. Er war nie jemand gewesen, dem das Glück wohl gesonnen war. Er war in eine Gesellschaft geboren, die ihn nicht akzeptierte, in eine Familie, die ihn verachtete, in eine Welt, die ihn hasste. Gott, wie oft hatte er schon versucht diesem grausamen Spiel ein Ende zu setzen, aber immer war jemand da, der ihn wegzerrte vom Fenster im dritten Stock, oder jemand, der seine blutenden Wunden versorgte, bevor alles Leben aus ihm fließen konnte. Er wusste, dass sie ihn hassten, aber er hätte nicht gedacht, dass sie ihn so sehr hassten, dass sie ihm nichteinmal diesen letzten Ausweg gönnten. Aber das alles spielte keine Rolle mehr, als sie in sein Leben trat. Ein Engel, so schön, dass sie einfach nicht von dieser Welt sein konnte. So eine Lebendigkeit, so ein Feuer, das in ihrem Inneren so stark loderte, dass ihn ihre bloße Gegenwart wärmte. Er konnte sein Glück kaum fassen, als sie sein flehen scheinbar erhörte und ihm ihr Herz öffnete, als sie ihn in ihre Arme schloss und ihre Lippen auf seine presste. In diesem Moment schien ein Teil von ihrem Feuer auf ihn überzuspringen, ihn auszufüllen, alles Dunkle in ihm auszulöschen. Er konnte plötzlich in sich spüren, dass ein Teil von ihr in ihm war, und er sah in ihren Augen, dass sie nun auch einen Teil von ihm in sich trug. Ach, hätte dieser Moment nur ewig gedauert, aber es sollte wohl nicht sein. Mit jedem Tag schien ein Teil dieser scheinbar ewigen Flamme, die sie beide verband zu erlöschen. Als er es merkte, packte ihn die pure Verzweiflung. Er versuchte, das Feuer am Leben zu halten, es mit neuer Kraft zu nähren, denn er wusste, wenn diese Flamme erlöschen würde, würde er mit ihr erlöschen. Er schrie ihren Namen, sie solle ihm helfen, die Glut neu zu entfachen, aber sie antwortete nicht. Sie stand einfach nur da. Er rannte zu ihr, schrie sie an, weinte bittere Tränen, aber sie sah nichts von all dem. Sie sah einfach durch ihn hindurch. Als er sich umdrehte, sah er den Grund dafür. Das Feuer war erloschen. Er war erloschen. Sie sah ihn nicht, da es nichts mehr zu sehen gab. Es gab ihn nicht mehr und es würde ihn nie wieder geben. Es gab nur noch seine Hülle, alles, dass dieser Hülle eine Bedeutung gab, alles, dass diese Hülle eigentlich behüten sollte, war gestorben. Es gab für diese leere Schale keinen Grund mehr zu existieren. Voller Trauer erkannte er, dass er alles verloren hatte, dass ihm jemals etwas bedeutet hatte. Er hatte schon oft versucht sich umzubringen, aber nicht um etwas zu zerstören, sondern um den letzten kostbaren Funken in sich zu retten, den er noch hatte, bevor auch er von der Dunkelheit verschluckt werden würde. Nun war es zu spät, es hatte keinen Sinn mehr zu sterben. Aber es hatte auch keinen Sinn mehr zu Leben. Es war nichts mehr da, nur noch Kälte und Leere, nichts hatte mehr einen Sinn, nichts hatte mehr eine Bedeutung. Er tat alles, dass er noch tun konnte. Er setzte sich hin, und hörte auf. Er hörte auf zu weinen, er hörte auf zu fühlen, er hörte auf zu leben. Er saß nur noch da, er saß da, und sah zu, wie die leere Hülle, die ihm geblieben war, langsam verfaulte…wie er vermoderte…bis irgendwann die Maden sein Herz fraßen…es tat weh…aber…Schmerz hatte keine Bedeutung mehr…nichts hatte mehr eine Bedeutung… |
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