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Briefe aus der Stille

HDW1976, 02. Juli 2007
Einzelhaft
(Briefe aus der Stille)






Brief I

Als heute morgen
ein Einsatzkommando
meine Wohnung stürmte,
mir Handschellen anlegte
und alle Gedichte verbrannte,
glaubte ich,
ich sei im falschen Film.

Doch als ich noch einmal
aus dem Fenster sah,
verstand ich.

Wortlos ließ ich mich abführen,
vorbei
an all den gebrochenen Herzen,
in einer Welt wo Gefühe und sehnsüchte nicht mehr erwünscht sind.


Brief II

Zwei Meter vorwärts,
zwei Meter zurück.
Mein Körper kann die Enge ertragen,
doch mein Geist rebelliert.

Gedanken
kollidieren mit Wänden,
Ideen
verfangen sich zwischen Gitterstäben.

Gedichte
sterben,
ehe sie geboren sind,
weil sie keine Nahrung finden.

Einzelhaft.


Brief III

Plötzlich reihen sich zwei Worte aneinander,
finden ein drittes,
formieren sich zu einer Zeile,
der weitere folgen.

Sie schreien danach,
auf Papier gebannt zu werden,
bevor sie sich wieder verflüchtigen,
doch ich sitze hier,
kahle Wände der einzige Ort,
mein Blut die einzige Tinte,
um sie festzuhalten.

Und ich schreibe, schreibe,
schreibe....
Gedichte,
die wirklich von Herzen kommen.


Brief IV

Meine Tränen sind der einzige Beweis,
dass es noch Gefühle gibt.


Brief V

Ein Stift und ein Stück Papier,
versteckt unter meinen Brot,
flüsternd eine Stimme aus der Nachbarzelle:
"Ich feiere Silberhochzeit,
hast du ein Gedicht für meine Frau?",
doch die Antwort auf dem Zettel
hast du sicher nicht erwartet:

"Schreib selbst.
Nur du hast die Gefühle,
die zu Worten werden,
Liebe und Dankbarkeit,
Träume und Zweifel.
Versuch es einfach!"


Brief VI

Schweißgebadet erwache ich,
mitten in der Nacht,
entfliehe dem Traum,
der mich peinigt.

Gitterstäbe, die versuchen,
sich zwischen mich und das,
was mir wichtig ist,
zu drängen.

Gitterstäbe,
die die Hoffnung
auch aus meinen Träumen
vertreiben wollen...


Brief VII

Buchstaben formen sich zu Worten,
Worte, die sich aneinanderreihen,
Sätze bilden...

Sätze die Leben beinhalten
ich schreie sie raus
in der Hoffnung, daß sie da drußen jemand hört,
der sich erinnert das auch er mal Gefühle und Sehnsüchte hatte.

Es kostet Kraft



Brief VIII

Ich gebe nicht auf...
mir wird immer was einfallen...
bis ich ein Herz finde was noch fühlt...
und lebt...

in dieser Welt
einem Kerker
der Gefühlsosigkeit

...aus.

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